Von einem Netz ins andere

Wenn Daten von einem Netzwerk in ein anderes geleitet werden müssen, spricht man von Routing. Dazu muß in der Regel ein Gateway oder ein Router passiert werden.

Es drängt sich zunächst die Frage auf, warum die unterschiedlichen Netze nicht einfach zu einem zusammengeschlossen werden. Das kann aber verschiedene Gründe haben. Zum einen ist dies oft physikalisch nicht machbar oder nur mit großem Aufwand verbunden. Zum zweiten bringt eine Trennung in unterschiedliche Netzwerke auch eine Trennung der Netzwerkbelastung. D.h. sofern Daten nicht vom einen Netz ins andere sollen, merkt keines der beiden Netze vom anderen etwas.

Im Laufe der Jahre haben sich die Technologien weiterentwickelt. Die üblichen Verfahren sollen nun kurz vorgestellt werden. Zunächst die allgemeinen Methoden und im Anschluß die speziellen Techniken und Begriffe für die gängigen Netzwerkprotokolle IP und IPX.

Allgemeine Begriffe

Static Routing

Definiert einen festgelegten Router, der zu einem bestimmten Netzwerk führt. Es basiert auf einer Konfigurationsdatei, die den gesamten Datenverkehr, der an ein bestimmtes Netzwerk gerichtet ist, an einen bestimmten Router schickt. D.h. aber, daß alle logischen Netzwerke, mit denen kommuniziert werden soll, im voraus definiert worden sind.

Die Vorteile dieses Systems sind die Einfachheit und der geringe Overhead. Jedes System kümmert sich nur um die Weiterleitung der Informationen zum nächsten Standardrouter. Es müssen keine RIP-Rahmen durch das eigene Netzwerk weitergeleitet werden. Die Nachteile sind, daß keine redundanten Routen zur Verfügung gestellt werden können und daß keine Lastenverteilung stattfindet.

Distance Vector Routing

DV-Router erstellen ihre Tabellen auf der Basis von Daten, die sie aus zweiter Hand bekommen. Dabei übernimmt ein Router einfach die Tabellen, die er von anderen Routern bekommt und erhöht den jeweiligen Hop-Wert um 1 (als Hop bezeichnet man den Sprung von einem Subnetz ins nächste). Beim DVR überträgt jeder Router einmal pro Minute seine Tabelle.

Probleme: Die Informationen sind ausschließlich aus zweiter Hand. RIP begrenzt die Hop-Zählung auf 15, d.h. bei jedem Leitweg mit 16 oder mehr Hops wird angenommen, daß er unerreichbar ist. Außerdem kann es zu Routing-Loops kommen, in denen ein Router annimmt, daß ein anderer für die Weiterleitung zuständig sei und andersrum.

Link State Routing

Funktioniert ähnlich wie DVR, allerdings werden hier nur Informationen aus erster Hand verwendet. Dies verhindert Routing-Fehler und reduziert die Konvergenzzeit auf beinahe Null. Außerdem bietet dieses Verfahren die Möglichkeit zum Ausgleich des Ladevolumens an. Dabei werden die "Kosten" zum Erreichen einer Station berücksichtigt, d.h. außer der Anzahl der Hops auch die Antwortzeit.

IP-Routing

Routing Information Protocol (RIP)

RIP ist ein Distance Vector Protocol. Es kann Informationen über max. 16 Hops weiterleiten und trifft Leitwegentscheidungen ausschließlich aufgrund der Anzahl der Hops. Es sendet alle 60 Sekunden Leitwegaktualisierungen. V.a. für kleinere Netzwerke (höchstens 10 - 15 Subnetze) geeignet oder für Netze ohne redundante Leitwege.

Open Shortest Path First (OSPF)

Benutzt außer den internen auch externe Aktualisierungen. Es kann so konfiguriert werden, daß innerhalb des autonomen Systems vollständige Leitwegtabellen bereitgestellt werden. Bei OSPF existiert auch ein Echtheitsbestätigungsverfahren. Router müssen ein Kennwort angeben, um aktualisierte Leitweginformationen zu erhalten.

Es handelt sich um ein Link-State-Protokoll, das Leitwegentscheidungen auf der Basis von Werten wie Verbindungsgeschwindigkeit und Verkehrsaufkommen trifft, also einen Belastungsausgleich ausführt. (NW 4.1 oder Unix; nicht verfügbar bei NT4)

  • Beachten Sie dazu bitte auch die speziellen Ausführungen zu IP-Routing im IP-Bereich. Es gibt auch eine eigene Seite zu Problemen unter Novell mit IP-Routing!

IPX-Routing

RIP (Routing Information Protocol)

Ebenso wie bei IP-RIP gelten die selben Regeln hier

  • Routing-Tabellen werden aus zweiter Hand aufgebaut
  • Hohe Konvergenzzeit aufgrund langsamer Verteilung
  • Während der Konvergenz ist die Routing-Tabelle anfällig für Fehler und Schleifen
  • Es werden maximal 15 Hops geführt

NLSP (Netware Link State Protocol)

  • Nur Informationen aus erster Hand werden für den Aufbau von Routing-Tabellen verwendet
  • Die minimale Konvergenzzeit reduziert das Risiko von Routing-Fehlern
  • Für die Aktualisierung der Tabellen ist weniger Netzwerkverkehr notwendig
  • Die Kommunikation basiert hauptsächlich auf Unicasts statt auf Broadcasts
  • Die maximale Hop-Anzahl ist 64
  • Abwärtskompatibel zu RIP
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